home
rueckwaerts cover vorwaerts


ART ou COCHON?
Wenn Beine und Arme in allen Verrenkungen, Schwänze, Mösen und hängende Zungen geprüft werden

Eine Dokumentation
von Patrick Bühler



Pornographie ist für viele immer noch heisse Ware. Scheidepunkt ästhetischer, moralischer und ethischer Ansichten - somit auch Angriffs -und Diskussionsschlachfeld zwischen Gesetz, Bevölkerung und Künstlern. Am 20.September des Jahres 1996 öffnete das erste Musée d´art contemporain pornographique in Lausanne seine Tore. Im Vorfeld wurde viel diskutiert und debattiert. Das Poster wurde von der Plakatfirma ApG trotzt Zensurklecksen für einen öffentlichen Aushang abgelehnt

Piece de resistance im Vorfeld der Vernissage: das Plakat (unzensierte Version)).

 

Die beiden Initiatoren und passionierte Sammler Preissle und Stöckli rechneten nicht mit einer solchen verkorksten Verhalten seitens der lokalen Behörden

Edi A.Stöckli bei der Begehung der Ausstellung mit der Lausanner Sittenpolizei

So mussten im Vorfeld gewisse Bilder zugedeckt oder umgedreht werden auf Empfehlung (la censure n´existe pas en Suisse) der Lausanner Sittenpolizei. Es könnte eventuelle Anzeigen von erzürnten und /oder schockierten Besuchern hageln und die damit verbundenen rechtlichen Umtriebe vor Gericht (man diskutiert dort über den kulturellen und künstlerischen Wert der angezeigten Exponate ) seien sicherlich nicht im Interesse der Ausstellungsmacher, hiess es.



Rechtslage gemäss Schweizerischen StGB



Fünfter Titel: Strafbare Handlungen gegen die sexuelle Integrität

4. Pornographie (§ 197)

Dies war u.a. auch der Grund für eine befristete Ausstellungsdauer von (nur) 3 Monaten, weil man sich nicht noch mit weiteren bürokratischen Umtrieben herumschlagen wollte. Bei den zubeanstandenden Ausstellungstücken war u.a. auch Robert Mapplethorpes Foto RICHARD (1978), welches einen eingeschnürten und malträtierten Penis (eines freiwilligen Masochisten ) zeigt. Man erinnerte sich aber glücklicherweise kurz vor Ausstellung Eröffnung, dass diese Fotographie einige Monate früher unbeanstandet in einer Lausanner Galerie ausgestellt wurde und somit wurde RICHARD freigesprochen. Andere blieben vor einem solchen Freispruch nicht verschont und wurden dem Publikum vorenthalten.


Ein Dankeschön an: Preissle, Stöckli und Grab für die Abbildungsgenehmigung der Werke; Ghazi Barakat, wo immer du dich in den Staaten mit deinem Forbidden Art Project gerade herumtreibst und Clemens Feigel aus Wien, ein inspirativer Freund in Sachen obskurer Wienerischer Kunst und Weine.


 

Clair-obscur Galerie (Basel)


Das Clair-obscur Manifest:


Im SOHO Keller in der Clair-obscur Galerie sollen Newcomern ebenso einen Weg an die Oeffentlichkeit geboten werden wie etablierten "agent provocateurs" der Schweizer und Internationalen Kunstszene. Ein Kommunikationsort für Künstler und Publikum: Diskussionen, Empörungen oder Beifallsgeklatschte, der CLAIR-OBSCUR Floh wird sich ab September 98 im Intimbereich der Kunstkritik einzunisten versuchen.
Gängiges gehört ins Kunstmuseum! Wir wollen an den Galeriewänden/-räumlichkeiten einen Freidenkergeist heranzüchten und gedenken auch weiterhin (nach einem Austellungsmacher Jahr in der XS! Gallery) vielversprechende Künstler mit skurrilem, provokativem, obskurem, erotischem und/oder pornographischem Kunstschaffen einem aufgeschlossenen Publikum zugänglich zu machen.
Multimedia-Installationen, das Clair-Obscure Filmfestival (Oktober 98) als auch klassische Ausstellungsformen zeitgenössicher Kunst sind unser Ziel.